Mit anderen Augen sehen


Eine höchst interessante Unterrichtsstunde erlebten die 26 Drittklässler der GS Immenreuth zusammen mit ihrer Lehrerin Lucia Etterer beim Besuch von Hilde Heilmann vom BBSB (= Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V.) Frau Heilmann besuchte die Klasse im Rahmen des HSU- Unterrichts zum Thema „Augen“.

Die erste Frage dieses besonderen Gastes an die Kinder lautete: „Woran erkennt ihr, dass ich blind bin?“ Diese Frage zu beantworten war gar nicht so einfach. Nur der Button mit dem Blindenzeichen ( 3 schwarze Punkte auf gelbem Grund) am Pullover verriet ihr Anderssein. Auf ihre vielen Fragen erhielten die neugierigen Drittklässler zahlreiche Antworten und interessante Informationen. So lernten sie die verschiedenen Hilfsmittel kennen, mit denen blinde Menschen ihr Leben meistern. Verschiedene Schüler konnten mit verbundenen Augen die Handhabung des weißen Blindenstocks im Klassenzimmer selbst ausprobieren. Dabei sammelten sie ganz neue Erfahrungen bei der Orientierung im Raum.

Besonders schwierig ist es für Blinde, sich im  Straßenverkehr zurechtzufinden. Dazu gehört das Training mit dem Langstock, bei dem ein Trainer den Blinden immer die Wege führt, die dieser später alleine gehen soll. Anhaltspunkte sind z. B. Ampeln mit akustischem Signal oder erhöhte Linien und Noppen auf Fußgängerüberwegen. Auch die Blindenschrift, die der Franzose Louis Braille vor fast 200 Jahren erfand, erklärte Frau Heilmann den Kindern. Die Buchstaben bestehen aus 6 Punkten. Je nachdem, welcher Punkt erhöht ist, weiß man, welcher Buchstabe es ist. Die Punkte bilden kleine Buckel im Papier, die von blinden Menschen mit den Fingerspitzen ertastet werden können.

Begeistert waren die Schüler von der Blindenschreibmaschine, auf der Frau Heilmann alle Namen der Kinder schrieb und dann für jeden Einzelnen ein Kärtchen mit seinem Vornamen in Blindenschrift ausdruckte. Außerdem erhielt jedes Kind eine Karte mit dem Blinden-ABC und einen Text in Blindenschrift. Die Schüler bekamen für zu Hause den Auftrag, diesen Text mit Hilfe des Blinden-ABCs zu entziffern.


Insgesamt waren die Drittklässler sehr erstaunt, zu erfahren, wie weitgehend „normal“ blinde Menschen dank verschiedener Hilfsmittel ihr Leben meistern können. Selbständiges Einkaufen, Rasenmähen, Arbeiten am Computer und viele andere Tätigkeiten sind für blinde Menschen möglich. Was aber Blinde definitiv nicht tun können ist  Autofahren. Hier sind ihren Möglichkeiten Grenzen gesetzt.

Am Schluss der spannenden und interessanten Ausführungen bedankten sich die beiden Klassensprecher im Namen ihrer Mitschüler und ihrer Lehrerin bei Frau Heilmann und ihrer Begleiterin mit einem kleinen Geschenk.